Mehr als zwei Jahre – ein Blick auf Gemeinsames

Weltweit fordern zahlreiche Kundgebungen oder Demonstrationen Solidarität mit den Menschen im Gazastreifen und der Westbank. Jede Woche in den vergangenen zwei Jahren kam es zu solchen Kundgebungen oder Demonstrationen in Seoul oder in einer anderen koreanischen Stadt. Die Organisatoren sind überwiegend Menschen in den zwanziger und dreißiger Jahren, jung, mit sozialen Medien wie youtube, facebook/Meta und deren Ableger, Instagram, bestens vertraut, wissen sie, wie man Nachrichten in einer schnelllebigen Zeit effektiv aufbereitet und den sozialen Medien angepasst, optisch und akustisch ansprechend unter ein informationshungriges Volk bringt. Aus einer ähnlichen Altersklasse stammen auch die Unterstützer und Wähler, die Zhoran Mamdani zum Sieg bei der New Yorker Bürgermeisterwahl am 4. November verhalfen. Nach dem Wall Street Journal erhielt Mamdani 78% der Stimmen von Wählern zwischen 18 und 29 Jahren.

Auf dem Weg zum Park vor dem Gyongbokgung-Palast

Auch am 12. Oktober fand um 14 Uhr im Yeollin Songhyeon Park eine Kundgebung statt. Der Park befindet sich in Seoul, in der Nähe der Anguk-U-Bahn-Station unweit des Gyongbokgung Palastes. Unter der Überschrift „2 Jahre Genozid in Gaza – Nationaler Aktionstag“ versammelten sich Koreaner aus verschiedenen Städten Koreas, aber auch viele Ausländer, vor allen solche aus arabischen Ländern. Sie kamen aus verschiedenen Regionen Koreas, teilweise mit Bussen, die die Veranstalter organisiert hatten. Nach der Kundgebung ging ein Großteil der Versammelten in einem Demonstrationszug durch die Innenstadt und forderte vor der israelischen Botschaft ein Ende des Genozids. Denn auch nach dem sogenannten „Waffenstillstand“ ermordeten israelische Sicherheitskräfte und Soldaten hunderte Bewohner des Gazastreifens.

Die Kundgebung dauerte etwa zwei Stunden. Emma, eine irisch-palästinensische Aktivistin, eröffnete die Veranstaltung. Es folgten Saleh Rantisi (ein Palästinenser von Gaza), Bang Hyunseok (ein Schriftsteller), Keith (ein US-Amerikaner, Journalist), Roby aus Indonesien, Han Taeyeon (ein koreanischer Freiwilliger), Hozayfa (ein Ägypter, Mitglied der Kefija-Gruppe der Korea Universität) und Choi Gyu-jin (Vorsitzender des Menschenrechtskomitees, Vereinigung der Ärzte für Humanismus). Ein Chor sang das koreanische Stück „그날이 오면“: Wenn jener/dieser Tag kommt.

Die Sprecher machten darauf aufmerksam, dass man dem neuen „Friedensabkommen“ nicht trauen könne. Zu oft hatte Israel Waffenstillstände gebrochen oder Verhandlungsführer der Gegenseite einfach hingerichtet. Auch den USA, die dieses Abkommen vorbereiteten, könne man nicht trauen. So hatten sie am 22. Juni iranische Atomanlagen noch bevor ein Verhandlungsergebnis feststand, bereits während der Verhandlungen über Irans Atomprogramm bombardiert. Warum sollte nun auf einmal ein Grund bestehen, darauf zu bauen, dass der Waffenstillstand hält?

Worte zur amerikanischen Verstrickung

Die Sprecher lobten den Widerstandswillen der Menschen im Gazastreifen und verurteilten nicht nur die unmittelbar beteiligten Akteure, wie die Vereinigten Staaten und Israel, sondern auch die arabischen Diktaturen, die sich durch Geschehenlassen mitschuldig machten. Keith meinte, Präsident Trump sei für den Genozid mitverantwortlich. Auch kam es zur Kritik an koreanischen Rüstungsunternehmen, die mit israelischen Firmen kooperierten. Die Reden der Sprecher wurden auch ins Koreanische und Englische übersetzt. Dies ermöglichte einerseits ein besseres Verständnis für viele der Teilnehmer, andererseits verpuffte so manche energiegeladene Aussage, da die Anwesenden erst nach der Übersetzung ihren Beifall ausdrückten. Das wirkte manchmal etwas befremdlich als etwa der Sprecher aus Indonesien leidenschaftlich in die Menge schrie, doch unmittelbar darauf keine Reaktion der Zuschauer erfolgte.

Einige Redner

„Wenn dieser Tag kommt“ ist ein Musikstück, das besonders in den achtziger Jahren in Korea populär war. Damals gingen Studenten auf die Straße und protestierten gegen die Militärdiktatur des Cheon Du-hwan (koreanisch 전두환). Es wurde 1985 von der Gesangsgruppe Saebyeok für die Aufführung von „Fireworks“ komponiert. Das Lied nimmt auf die Geschichte von Jeon Tae-il (28.9.1948 – 13.11.1970) Bezug. Jeon war Näher und Aktivist, er protestierte gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen. Obwohl der Text Jeon Tae-il oder seine Selbstverbrennung nicht explizit erwähnt, drückt er bewegend die Qual und die Überwindung eines Mannes aus, der im Begriff ist, sein Leben zu beenden und tiefen Schmerz, quälende Erinnerungen und eine kurze Jugend zurücklässt. Das Musikstück schildert eindrücklich die mutige Haltung, Trauer zu ertragen und zu überwinden. Es erschien 1986 auf dem neunten illegalen Album der Gruppe „The Dawn“ mit einem Solo von Yoon Seon-ae und einem gemischten Chor. 1989 wurde es auch als Chorstück auf dem zweiten Album der Gruppe „People Seeking Songs“ veröffentlicht (Encyclopedia of Korean Culture).

Wenn dieser Tag kommt

Im Grunde genommen spricht durch dieses Lied auch eine Art eschatologische Hoffnung, wie sie in einigen Stellen der Bibel (etwa bei Jes. 25,9 oder Matt. 24, 30-31, 24:36-37) oder auch in revolutionären Liedern zum Ausdruck kommt. Weniger hoffnungsfroh dagegen klingt das Stück „The day that never comes“ der Gruppe Metallica.

그날이 오면

한밤의 꿈은 아니리 오랜고통 다한 후에
내형제 빛나는 두눈에 뜨거운 눈물들
한줄기 강물로 흘러 고된 땀방울 함께 흘러
더 넓은 평화의 바다에 정의의 물결 넘치는 꿈

1.그날이 오면 그날이 오면 내형제 그리운 얼굴들
그아픔 추억도
아~짧았던 내 젊음도 헛된 꿈이 아니었으리 그날이 오면 그날이오면

2.그날이 오면 그날이 오면 내형제 그리운 얼굴들
그 아픔 추억도
아~피맺힌 그 기다림도 헛된꿈이 아니었으리 그날이 오면 그날이오면

Wenn dieser Tag kommt

Es ist kein Traum mitten in der Nacht. Nach langem Leiden fließen heiße Tränen aus den strahlenden Augen meiner Brüder wie ein Fluss und vermischen sich mit den Schweißtropfen, die sie vergossen haben. Ein Traum von einem weiten Meer des Friedens, überflutet von Wellen der Gerechtigkeit.

  1. Wenn dieser Tag kommt, wenn dieser Tag kommt, meine Brüder, eure geliebten Gesichter, die schmerzhaften Erinnerungen, ach, meine kurze Jugend, all das war kein vergeblicher Traum. Wenn dieser Tag kommt, wenn dieser Tag kommt.
  2. Wenn dieser Tag kommt, wenn dieser Tag kommt, meine Brüder, meine geliebten Gesichter,
    auch die schmerzhaften Erinnerungen, ach, auch das blutige Warten waren kein vergeblicher Traum. Wenn dieser Tag kommt, wenn dieser Tag kommt.

Palästinensischer Student mit anderen studentischen Aktivisten

Zuschauer und Wachablösung des Gyongbokgung-Palastes im Hintergrund


Beitrag veröffentlicht

in

, , , , , , ,

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert